Was macht ein Urologe?

Wer einen Termin bei einem Urologen vereinbaren muss, hat gesundheitliche Probleme, die den Urogenitaltrakt betreffen. Entgegen landläufiger Meinung ist ein Urologe kein ausgesprochener „Männerarzt“. Er ist somit auch kein Gegenstück zum Frauenarzt oder Gynäkologen. Vielmehr sind etwa 30 Prozent aller Patienten beim Urologen Frauen. Bei diesen sind Blasenentzündungen oder Fertilitätsprobleme die häufigsten Gründe, zu einem Urologen in die Praxis zu gehen.

Was leistet ein Urologe?

In einer urologischen Praxis befassen die Mitarbeiter sich mit einem vergleichsweise kleinen, aber sehr speziellen Teilgebiet der Medizin. Bei diesem geht es um die Funktionen, sowie die Erkrankungen des Urogenitalsystems. Dazu gehören

  • die Nieren,
  • der Harnleiter,
  • die Harnröhre und
  • die Blase.

Da es außer dem Andrologen keine für Männer zuständigen Gegenspieler zum Gynäkologen gibt, sind Urologen auch für alle Störungen oder Erkrankungen der Prostata, der Hoden und Nebenhoden, der Samenbläschen oder des Penis zuständig. Außerdem fallen auch Probleme mit der Fortpflanzungsfähigkeit des Mannes in ihren Zuständigkeitsbereich. Es geht also um Probleme wie Erektions- und Potenzstörungen oder die Unfähigkeit, Kinder zu zeugen. In einer urologischen Praxis können Männer, die keine Kinder mehr in die Welt setzen möchten, mittels einer Vasektomie sterilisiert werden.

Die Urologie hat bereits eine lange Geschichte. Störungen beim Wasserlassen oder schmerzhafte Blasen- und Nierensteine sind schließlich nicht erst in der Moderne vorgekommen. Schon die alten Ägypter litten unter solchen Beschwerden. Als frühester Mediziner, der sich systematisch mit solchen Störungen befasste, ist der Grieche Hippokrates bekannt. Bereits zu dieser Zeit wussten Heilkundige über die Existenz von Blasen- und Nierensteinen Bescheid. Einige Medizinkundige beherrschten schon den sogenannten Steinschnitt, mit dessen Hilfe sie festsitzende Blasensteine aus dem Urogenitaltrakt entfernen konnten. Das Berufsbild des „Steinschneiders“ oder „Litho­toms“ galt in der frühen Medizingeschichte nicht als besonders angesehen – ganz im Gegensatz zum „Medicus“. Als zwei der ersten echten Urologen können wir wohl die Chirurgen Marianus Sanctus aus Barleta und Jean Baseilhac (1703-1781) ansehen. Beide interessierten sich zu Lebzeiten für verfeinerte Technologien, mit denen man zumindest die weit verbreiteten Steinleiden heilen konnte.

Die erste bekannt gewordene Nephrolithotomie ist bereits 1633 verzeichnet. Etwa zu dieser Zeit wurde auch die Grundlage zur Lithotripsie gelegt – mit der Erfindung einer speziellen Zange, die zuvor zertrümmerte Steine durch die Harnröhre entfernen konnte. Heute heißt dasselbe Verfahren „extra­korporale Stoßwellenlithotripsie“ und wird mittels Ultraschallwellen ausgeführt. Der erste urologische Lehrstuhl entstand anno 1890 in Paris. Bis dahin oblagen alle urologischen Operationen der Chirurgie.

Die vielseitigen Tätigkeiten von Urologen

Aufgrund ihres Berufsbildes sind Urologen heute nicht nur mit der Entfernung von Steinen aus Blase oder Niere befasst, sondern haben ein sehr breites Tätigkeitsfeld. Dieses überschneidet sich zum Teil mit der Arbeit von Chirurgen – oder der von Andrologen oder Gynäkologen. Die Entfernung von Harnsteinen war nur der Beginn der Urologie-Geschichte. Heutzutage befassen sich Ärzte in urologischen Praxen oder auf der urologischen Station eines Krankenhauses mit zahlreichen Erkrankungen und Störungen im Urogenitaltrakt von Männern und Frauen. Sie kümmern sich um Erektionsstörungen oder Unfruchtbarkeit genauso, wie um Nierenbeckenentzündungen oder die Begutachtung von Menschen nach sexuellen Missbrauch mit Verletzungen im Urogenitaltrakt. Sie diagnostizieren und therapieren Krebs der Blase, der Hoden oder der Nieren und Nebennieren.

Blasenkrebs ist beispielsweise besonders bei Rauchern anzutreffen. Je nach Diagnose genügt anfangs meist die Entfernung des Tumors. Die Blase wird anschließend mehrfach mit einem lokalen Chemotherapeutikum gespült. Alternativ, oder bei einem Rezidiv, wird die Blase vollständig entfernt. Danach wird aus Dünndarmgewebe eine sogenannte Neo-Blase angelegt. Urologen nehmen selbst ambulante oder klinische Eingriffe vor. Sie können dabei chirurgisch oder endoskopisch vorgehen. Anschließend übernehmen sie auch die Nachsorge von Krebspatienten. Viele Männer haben im Alter Probleme mit der Prostata. Bei Kindern hingegen dominieren angeborene Miss­bildungen an den Harnwegen. In den Jugendjahren ihrer Patienten haben Urologen es oft mit Phimosen oder Eichelentzündungen zu tun. Urologische Notfälle wie eine Hodentorsion oder ein Penisbruch können behoben werden.

Urologische Spezialisierungen

Viele Urologen haben auf ihrem Praxisschild Zusatzbezeichnungen. Diese weisen sie als Andrologen, Kinderurologen oder Nierenspezialisten aus. Auf der anderen Seite können Urologen aber auch Zusatzqualifikationen erwerben und

  • Akupunktur erlernen
  • als Betriebsmediziner tätig sein
  • Gutachten erstellen
  • geriatrische Spezialisierungen erwerben
  • sich als Infektologe ausbilden lassen
  • Labordiagnostiker werden
  • zusätzlich Naturheilverfahren anbieten
  • sich für die Anwendung der Magnestresonanz-Therapie qualifizieren
  • medizinische Informatik beherrschen
  • als Notfallmediziner arbeiten
  • palliativmedizinische Qualifikationen erwerben
  • sich mit spezieller Schmerztherapie befassen
  • oder sich für Sport- oder Tropenmedizin interessieren.

Ein Urologe, der die Zusatzbezeichnung „Androloge“ auf dem Praxisschild trägt, hat seine klassisch-urologischen Kompetenzen um das Thema männliche Fertilitätsstörungen erweitert. Er befasst sich mit Vorbeugung, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation männlicher Fertilitätsstörungen, mit partnerschaftlichen Störungen, Verhütungsmethoden für Männer, erektiler Dysfunktion im weitesten Sinne, sowie mit dem primären oder sekundären Hypogonadismus.

Urologen mit der Zusatzbezeichnung „medikamentöse Tumortherapie“ sind neben ihrem normalen Arbeitsfeld spezialisiert auf die Diagnostik und Therapie urologischer Tumorerkrankungen.

Urologen, die die Zusatzbezeichnung „fachgebundene Röntgendiagnostik“ tragen, sind Spezialisten für die Befundung und Durchführung von Röntgendiagnostik im urologischen Umfeld.

Die Zusatzbezeichnung „Proktologie“ weist einen Urologen als spezialisiert auf die Vorbeugung, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Krankheiten, Verletzungen, Veränderungen oder funktionellen Störungen von Mastdarm, After, Beckenbodenmuskulatur oder der Kontinenz-Organe aus. Diese Ärzte behandeln beispielsweise Analekzeme, Hämorrhoiden, Anal-Dermatosen oder Geschlechtserkrankungen.

Die Kinderurologie befasst sich speziell mit angeborenen oder erworbenen Erkrankungen kindlicher Harn- und Geschlechtsorgane. Auch nicht-spezialisierte Urologen, sowie Kinderärzte oder ein Kinderchirurg können diese Tätigkeitsfelder abdecken.

Die gynäkologische Urologie, auch als Uro-Gynäkologie bekannt, beschäftigt sich mit Themen, die auch den Gynäkologen am Herzen liegen; nämlich mit Problemen wie Harn- und Stuhlinkontinenz, Beckenbodeninsuffizienz oder daraus folgende Lageveränderungen an Blase oder Gebärmutter.

Die Zukunft der Urologie

Trotz der anspruchsvollen Arbeit und der Vielzahl der urologischen Probleme hat sich das schlechte Image der Urologie erhalten. Aus unerfindlichen Gründen möchte kaum ein Medizinstudent Urologe werden. Gott sei Dank entscheiden sich viele im Laufe ihres Studiums noch um. Fakt ist, dass die etwa 5.000 deutschen Urologen gut zu tun haben, weil immer öfter altersbedingte urologische Probleme wie Blasenkrebs, Nierenerkrankungen oder Prostataprobleme zu verzeichnen sind. Die meisten Urologen haben ein stolzes Arbeitspensum. Sie erleben einen regen Zulauf an Patienten. Berufliche Spezialisten sind gefragt. Der klassische urologische Generalist ist jedoch immer seltener zu finden. In anderen Ländern werden alle onkologischen oder radiologischen Arbeiten von Urologie-Spezialisten ausgeführt. In den USA finden sich „medical oncologists“, die ausschließlich mit urologischen Krebserkrankungen zu tun haben.

In Deutschland sorgt eine reformierte Weiter­bildungsordnung (WBO) dafür, dass die medikamentöse Tumortherapie oder die Onkologie als frühere urologische Kernbereiche entfallen sind. Als Assistenz­arzt muss mancher also in mehreren Kliniken arbeiten, um sich Kenntnisse in diesen Fachgebieten anzueignen. Zudem sind viele neue Technologien in der Urologie etabliert worden. Oftmals sind ausgebildete Chirurgen diejenigen, die eine Nierentransplantation oder Nebennieren-OP durchführen. Eine transurethrale Prostataresektion ist ein urologischer Klassiker. Die Arbeit mit einem modernen „DaVinci-Roboter“ in einer urologischen Klinik stellt den neusten Stand der Dinge dar. Per iPad gesteuerte Operationen sind in der Urologie heute fast schon normal.

Ausblick und Fazit

Durch die neue Fortbildungsverordnung und moderne Trends in der Medizin ist das Tätigkeitsfeld der Urologie mittlerweile geschrumpft. Es wird teilweise von Andrologen oder Chirurgen übernommen. Die technologischen Möglichkeiten für diagnostische oder operative Zwecke jedoch wurden erweitert. Das sorgt dafür, dass Menschen, die sich in diesem vergleichsweise kleinen medizinischen Fach als Arzt niederlassen, ausgemachte Spezialisten sind.

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