Welche Krankheiten behandeln Urologen?

Die frühen Anfänge der Urologie lagen in der Chirurgie, einer schon erstaunlich früh entwickelten medizinischen Disziplin. Viele der heute bekannten urologischen Krankheiten, an denen Menschen durch eine ungeeignete Ernährung leiden, waren bereits in der Frühzeit der Menschheitsgeschichte existent. Behandeln konnte man die meisten der Störungen und Erkrankungen aber nur unzureichend – oder gar nicht. Doch schon relativ früh in der Menschheitsgeschichte trennte sich die Urologie – als Spezialdisziplin für den Urogenitaltrakt – von der allgemeinen Chirurgie. Bereits zu Zeiten von Hippokrates, des berühmtesten griechischen Arztes der Antike, wussten die Heilkundigen, dass es Blasen- oder Nierensteine, und dadurch bedingte Koliken und Schmerzen gab.

Es gab schon im Mittelalter wagemutige Wundärzte, die sich erfolgreich am sogenannten „Steinschnitt“ versuchten. Dadurch konnten sie ernährungsbedingt entstandene Blasensteine entfernen. Man nannte diese Wundärzte auch Lithotomen. Ihr Image war auch wegen der vielen Todesfälle infolge von unstillbaren postoperativen Blutungen, oder Infektionen durch mangelnde Hygiene, nicht besonders gut. Die sogenannten Steinschneider galten daher als die niedrigsten unter den damals praktizierenden Heilern und Wundärzten – ganz im Gegensatz zum hoch geachteten „Medicus“, der immerhin eine mehr oder weniger umfassende medizinische Ausbildung mit dem Wissen seiner Zeit vorweisen konnte. Der „Medicus“ war ein Universalmediziner. Lithotomen wurden imagemäßig eher in die Nähe der Barbiere und medizinischen Kurpfuscher gerückt, die neben ihrem eigentlichen Handwerk des Haar- und Bartscherens auch Zähne zogen. Doch einige damals lebende Heilkundige waren bereits dabei, die altbekannten Techniken zur Entfernung von Blasensteinen zu verfeinern. Damit löst sich die Urologie langsam von der Chirurgie und der ausschließlichen Behandlung von Steinleiden.

Die Urologie im Wandel der Zeiten

Schon anno 1633 ist die erste Entfernung von Nierensteinen – eine Nephrolithotomie – schriftlich verzeichnet worden. Zur gleichen Zeit legten andere Mediziner dieser Epoche die Grundlagen für die Zertrümmerung von zu groß gewordenen oder festsitzenden Steinen in der Gallenblase, den Nieren, dem Harnleiter oder der Blase. Somit konnte man diese anschließend besser entfernen. Jemand erfand eine spezielle Zange, um die zertrümmerten Steinreste durch die Harnleiter zu entfernen. Sehr weit ist die bis heute praktizierte „extra­korporale Stoßwellenlithotripsie“ nicht davon entfernt – außer, dass sie mit Ultraschall, auf chemischem Wege oder per Endoskopie durchgeführt wird. Bis zum ersten urologischen Lehrstuhl, der im Jahre 1890 in Paris etabliert wurde, hatte die Urologie sich schon ein breiteres Tätigkeitsfeld erobert. Die Diagnostik oder die Operationen im Urogenitaltrakt oblagen nun nicht mehr alleine der Chirurgie.

In der Moderne ist die Entwicklung der Urologie zu einem eigenständigen Fachgebiet wieder etwas rückläufig. Zudem greifen die Fachgebiete der Andrologen, der Nephrologen oder der Gynäkologen in einigen Bereichen in urologische Behandlungsgebiete ein. Die Überschneidungen mancher medizinischer Spezialdisziplinen machen zwar Sinn. Sie sind aber verwirrend für Unwissende. Urologen spezialisieren sich immer mehr auf die Diagnostik, Behandlung oder Vorsorge bestimmter Erkrankungen im Urogenitaltrakt. Sie bieten zudem präventive Beratungsleistungen an. Aber die Chirurgie übernimmt mittlerweile wieder viele der Tumoroperationen, die den Urogenitaltrakt betreffen. Chirurgen oder Nephrologen führen insbesondere viele der Nieren-Transplantationen in Kliniken durch. Das Hervorgehen der Urologie aus der Chirurgie war immer mit einer gewissen Konkurrenzsituation verbunden.

Heutzutage ist die Urologie ein relativ kleines, aber dafür umso interessanteres Spezialgebiet der Medizin. Doch es ist gerade diese Spezialisierung, die durch moderne diagnostische und operative Verfahren zu immer besseren Ergebnissen und sehr versierten Urologen geführt hat. In Deutschland sind etwa 5.000 Urologen niedergelassen. Zu einem der modernsten Verfahren der Urologie gehören Operationen mit dem DaVinci-Roboter.

In welchen Arbeitsbereichen sind moderne Urologen tätig?

Das Imageproblem der Urologie ist geblieben – wohl weil alles, was in diesem medizinischen Fachgebiet stattfindet, in einem einstmals „anrüchigen“ Umfeld stattfindet. Trotz aller medialen Aufklärung und all dessen, was wir heute über unseren Körper wissen, ist eine Krankheit in diesem Bereich immer noch mit Gefühlen der Peinlichkeit verbunden und mit Tabus belegt. Niemand spricht gerne über die Krankheiten, die einen im urologischen Umfeld betreffen können. Zeugungsunfähige Männer oder Männer mit erektilen Dysfunktionen fühlen sich in ihrer Männlichkeit getroffen. Sie vermeiden daher oft den Arztbesuch, solange es geht. Dass ein Mann ein verschreibungspflichtiges Potenzmittel wie Viagra benötigt, ist zwar keine Seltenheit – aber die Häufigkeit, mit der solche Potenzmittel auf illegalem Wege oder mit einem Online-Rezept bei Apotheken im Ausland beschafft werden, sagt bereits alles.

Kaum ein Mann möchte von Urologen erfahren, dass er eine Krankheit hat, die die Einnahme von Viagra ausschließt. Niemand möchte als derjenige Beziehungs-Partner entlarvt werden, der zeugungsunfähig ist. Doch Urologen behandeln nicht nur Männer, sondern zu einem Drittel auch Frauen. Diese kommen oft mit Erkrankungen des Urogenitaltraktes zum Urologen, die nicht unbedingt in das Feld der Gynäkologie gehören. Frauen mit Blasen- oder Nierensteinen, Fertilitätsstörungen, chronischen Nierenerkrankungen, Nierenbeckenentzündungen, Analekzemen, Hämorrhoiden oder akuten Blasenentzündungen gehen oft zum Urologen statt zum Gynäkologen. Das Arbeitsgebiet der Urologie umfasst die Bereiche Prävention, Diagnostik und Früherkennung, Therapie und Nachbetreuung von Erkrankungen im Urogenitaltrakt. Zu diesem zählen die Urologen die ableitenden Harnwege, die Harnleiter, die Harnröhre und die Harnblase, die Nieren und das Nierenbecken, und die männlichen Geschlechtsorgane samt Penis, Hoden, Samenblasen und Prostatadrüse.

Das weite Tätigkeitsfeld der Urologie

Zu den Vorsorgeleistungen eines Urologen gehören die Darmkrebsvorsorge, sowie die Vorsorge im Bereich Blasen- oder Prostatakarzinom. Neben den gesetzlich erlaubten Vorsorgeuntersuchungen nutzen Urologen auch Röntgenaufnahmen, Laborwerte, Ultraschall-Untersuchungen, endoskopische Verfahren, Prostatabiopsien oder die Uroflowmetrie zu diagnostischen Zwecken. Sie haben jedoch häufig auch Kenntnisse in der Psychosomatik oder verwandten Medizin-Disziplinen. Viele Urologen erwerben weitere Qualifikationen, die ihr Tätigkeitsgebiet ausweiten. Beispielsweise betätigen sich manche Urologen als Andrologen oder Gutachter. Andere arbeiten zusätzlich als Notfallmediziner, Schmerztherapeuten oder onkologische Urologen.

Im therapeutischen Bereich behandeln Urologen mit konservativen oder operativen Methoden. Sie führen eine ambulante oder klinische Tumortherapie aus. Für einige medizinische Vorsorge- und Zusatzleistungen werden von den Krankenkassen mittlerweile die Kosten nicht mehr übernommen. Solche Untersuchungen stellen heutzutage Wunschleistungen dar, die der Patient in der Regel selbst bezahlen muss. Dazu gehören beispielsweise Fruchtbarkeitsuntersuchungen, die operative Sterilisation des Mannes, zusätzliche Labortests, Beschneidungen, die ohne medizinische Veranlassung gewünscht werden, die erweiterte Therapie von Potenzstörungen oder erweiterte urologische Vorsorgeuntersuchungen.

Typische Erkrankungen, die ein Urologe behandelt

Die Palette der in der urologischen Praxis behandelten Erkrankungen ist breit. Zu beachten ist, dass manche der genannten Krankheiten oder Störungen auch von einem Nephrologen, einem Andrologen oder einem Gynäkologen behandelt werden könnten. Der Urologe kümmert sich um

  • akutes Nierenversagen
  • Anurie oder Harnverhaltung
  • die sogenannte Balkenblase
  • eine benigne Prostata-Hyperplasie
  • unfallbedingte Blasenrupturen
  • Blasenkrebs
  • Hodenerkrankungen und Lage-Anomalien bis hin zum Hodenkrebs
  • Prostatabeschwerden bis hin zum Prostatakrebs
  • Diabetes insipidus
  • Doppelnieren
  • Eichelentzündungen
  • das Fowler-Christmas-Chapple-Syndrom
  • Harninkontinenz
  • Harnröhrenvorfälle
  • Harnwegsinfekte
  • Hufeisennieren und andere Nierenerkrankungen
  • interstitielle Zystitis
  • das IGSF1-Mangelsyndrom
  • Nieren- oder Nierenbeckenkarzinome
  • Sarkoidose mit Beteiligung der Nieren
  • Nierenkoliken und -infarkte
  • und viele andere Erkrankungen des Urogenitalsystems.

Aus dieser beispielhaften Auflistung wird bereits deutlich, wie sehr das Arbeitsgebiet der Urologie in die Fachgebiete der Andrologen, der Gynäkologen oder der Nephrologen hineingreift.

Ob sich in der Zukunft jedes der Fachgebiete noch stärker von den anderen abgrenzen und spezialisieren wird, oder ob ein übergeordnetes nephrologisch-urologisches Fachgebiet entsteht, das alle genannten Berufsfelder zusammenführt, kann heute niemand sagen. Fakt ist, dass sich viele Urologen durch Zusatzqualifikationen ein breiteres Arbeitsfeld erschaffen. So gibt es beispielsweise Kinderurologen, onkologische oder geriatrische Urologen.

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